Nierenentzündung (Nephritis)

Bei dem Begriff Nierenentzündung (Nephritis) handelt es sich um einen Sammelbegriff für eine Reihe entzündlicher Erkrankungen der Niere. Je nach Verlauf und Ursache wird dabei zwischen einer akuten oder chronischen bzw. zwischen einer primären oder sekundären Nierenentzündung unterschieden. Eine primäre Nephritis wird in den meisten Fällen durch eine sogenannte Autoimmunreaktion des Körpers, bei der das körpereigene Abwehrsystem die Nieren angreift, verursacht. Zu den Grunderkrankungen, die eine sekundäre Nierenentzündung verursachen können, gehören unter anderem Diabetes, Infektionskrankheiten und Krebserkrankungen.

Definition: Was ist eine Nierenentzündung?

Unter dem Begriff Nierenentzündung – auch Nephritis (griechisch: Nephros = Niere; -itis = Entzündung) genannt – fassen Mediziner eine Reihe entzündlicher Erkrankungen der Niere zusammen, die sowohl akut als auch chronisch verlaufen können. Hierzu gehören insbesondere die sogenannte Glomerulonephritis und die interstitielle Nephritis. Bei der Glomerulonephritis liegt eine Entzündung der Filterzellen in den Nierenkörperchen (Glomeruli) vor. Die interstitielle Nephritis ist eine Entzündung der Harnkanälchen und des sie umgebenden Raumes.

Nierenentzündung (Nephritis)
© Henrie / Fotolia

Formen der Nephritis

Abhängig vom Verlauf oder der Ursache der Erkrankung unterscheiden Mediziner zwischen verschiedenen Nephritis-Formen. So unterscheiden Ärzte zum einen zwischen einer akuten – also kurzfristig auftretenden – und einer chronischen – also längerfristig verlaufenden – Nephritis und zum anderen zwischen einer primären und einer sekundären Nierenentzündung. Eine primäre Nierenentzündung liegt vor, wenn lediglich die Nieren betroffen sind und keine weiteren, ursächlichen Erkrankungen bestehen. Von einer sekundären Nephritis spricht man, wenn die Entzündungsreaktion der Niere die Folge einer anderen Grunderkrankung außerhalb der Nieren ist.

Ursachen für eine Nierenentzündung

In den meisten Fällen handelt es sich bei einer primären Nephritis um eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Das körpereigene Abwehrsystem greift dabei Teile der eigenen Nieren an und führt so zu entzündlichen Veränderungen an den Nieren, die das Nierengewebe schädigen und die Nierenfunktion beeinträchtigen können. Die häufigste Form einer solchen durch immunologische Prozesse ausgelösten Nierenentzündung ist die sogenannte IgA-Nephritis. Bei dieser Erkrankung bildet das Immunsystem des Körpers spezielle Antikörper, sogenannte IgA-Antikörper, die sich in den Filterzellen der Nierenkörperchen (Glomeruli) einlagern und dort eine Entzündung hervorrufen.

Eine sekundäre Nierenentzündung tritt unter anderem als Folge von Diabetes mellitus, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), Infektionskrankheiten wie Syphilis, Hepatitis oder HIV sowie Krebserkrankungen wie Lungenkrebs oder bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems auf. Darüber hinaus können auch bestimmte Medikamente eine Nephritis auslösen.

Symptome einer Nierenentzündung

Eine Nierenentzündung verläuft meist schmerzlos und verursacht lange Zeit keine Beschwerden. Aus diesem Grund kann es manchmal Jahre dauern, bis die Erkrankung entdeckt wird. Zu den ersten typischen Symptomen, die schließlich auf eine Nephritis hinweisen, gehören Veränderungen des Urins aufgrund der beinträchtigten Filterfunktion der Niere. So kommt es etwa zu Verfärbungen des Urins, da mit dem Urin vermehrt Blut und Eiweiß ausgeschieden wird, sowie zu deutlich verringerten oder auch ansteigenden Harnmengen.

Aufgrund der gestörten Urinproduktion verbleiben bei einer Nephritis mehr Salze und Wasser im Körper, was zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe – sogenannten Ödemen – und auch zu Bluthochdruck führen kann. Darüber hinaus fühlen sich die Betroffen oft müde und abgeschlagen und leiden unter Kopf-, Glieder- und Flankenschmerzen. Im schlimmsten Fall kann es auch zu einem akuten oder chronischen Nierenversagen kommen.

Diagnose einer Nephritis

Zur Diagnose einer Nierenentzündung wird in der Regel zunächst eine Urinuntersuchung durchgeführt. Hierbeianalysiert der Arzt eine Urinprobe des Betroffenen, um festzustellen, ob sie Eiweiß oder Blut enthält. Weitere wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Nephritis kann eine Blutuntersuchung geben. Dabei bestimmt der Arzt vor allem die Kreatinin-Konzentration im Blut, da ein erhöhter Kreatinin-Wert auf eine Funktionsschwäche der Nieren hinweist.

Erhärtet sich durch die Urin- und Blutuntersuchungen der Verdacht auf eine Nierenentzündung, sind weitere Untersuchungen möglich. Hierzu gehören unter anderem eine Ultraschalluntersuchung der Nieren, Nierenfunktionstests und eine Nierenpunktion zur Entnahme von Gewebeproben aus der Niere. Anhand der Gewebeprobe, die unter dem Mikroskop untersucht wird, kann festgestellt werden, welche Art von Nephritis vorliegt.

Behandlung einer Nierenentzündung

Die Behandlung der Entzündung richtet sich nach den Ursachen und der Schwere der Erkrankung. Welche Therapie zum Einsatz kommt, hängt also prinzipiell davon ab, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Nierenentzündung handelt und ob diese akut oder chronisch verläuft. Die Therapie einer sekundären Nierenentzündung besteht in der Regel darin, die ursächliche Grunderkrankung zu behandeln. Da eine primäre Nephritis meist die Folge einer Überreaktion des Immunsystems ist, kommt bei dieser Form der Nierenentzündung in der Regel eine sogenannte immunsuppressive Therapie, beispielsweise mit Kortison, zum Einsatz. Ziel dieser Art von Therapie ist es, die Entzündungsreaktion und das Abwehrsystem des Körpers zu hemmen, um zu verhindern, dass die Entzündung weiter voranschreitet.

Bei einer chronischen Nierenentzündung, die nicht mehr heilbar ist und sich bereits im fortgeschrittenen Stadium befindet, muss das Blut mittels Dialyse, also künstlich außerhalb des Körpers, gereinigt werden. In sehr schweren Fällen kann auch eine Nierentransplantation notwendig werden. Hierbei entfernt ein Chirurg die kranke Niere im Rahmen einer Operatiton und ersetzt sie durch eine gesunde Spendernieret.

Was können Betroffene selbst bei einer Nierenentzündung tun?

Menschen, die unter einer Nierenentzündung leiden, sollten während der gesamten Behandlung körperliche Anstrengungen vermeiden. Außerdem sollten sie ihre Ernährung auf eiweiß-, salz- und fettarme Speisen umstellen. Zudem sollten sie darauf achten, stets ausreichend viel zu trinken, sofern die Wasserausscheidung der Nieren noch nicht beeinträchtigt ist.

Heilungsaussichten bei einer Nephritis

Die Prognose hängt davon ab, um welche Form der Erkrankung es sich handelt und ob nur die Nieren oder auch andere Organe betroffen sind. Bei einer akuten Nierenentzündung sind die Heilungschancen in den meisten Fällen gut, sofern die Erkrankung frühzeitig entdeckt und behandelt wird. Nach der Ausheilung der Nephritis sollten sich die Betroffenen jedoch regelmäßig Kontrolluntersuchungen unterziehen, bei denen die Urinwerte und der Bluthochdruck bestimmt werden. Eine chronische Nephritis ist zwar behandelbar, aber nicht heilbar. Sie kann im Laufe der Zeit zu einer derart starken Schädigung der Niere führen, dass eine dauerhafte Dialyse notwendig wird.

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