Niereninfarkt – Verschluss eines Blutgefäßes in der Niere



Von einem Niereninfarkt spricht man, wenn eine Arterie oder Vene in der Niere durch ein Blutgerinnsel blockiert ist und in der Folge Nierengewebe abstirbt. Ein Niereninfarkt läuft in vielen Fällen symptomfrei ab, kann sich aber auch zum gefährlichen Notfall entwickeln.

Verlauf eines Niereninfarkts

Die Nieren sind von vielen Arterien und Venen durchzogen und damit stark durchblutet. Wenn ein Blutgerinnsel (oder auch eingeschwemmtes Fett oder eine Luftblase) mit dem Blut mitgespült wird, kann es passieren, dass dieses eine Arterie oder Vene in der Niere blockiert (Embolie). Betrifft diese Blockierung eine Arterie, wird ein Teil der Niere nicht mehr mit Blut versorgt. Wenn die Arterie vollständig verstopft ist, stirbt das betroffene Gewebe ab.

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Darstellung einer verkalkten Engstelle in einer Aterie (oben), die durch ein Blutgerinnsel verstopft wird (unten)

Ist eine Vene blockiert, kommt es zu einem Blutstau im Nierengewebe. Das verbrauchte Blut kann nicht abfließen, in der Folge kann auch kein sauerstoffreiches Blut nachfließen. Auch in diesem Fall wird Gewebe nicht ausreichend versorgt und stirbt über kurz oder lang ab.

Symptome eines Niereninfarkts

Wie stark die Symptome ausgeprägt sind, hängt vor allem vom Ausmaß des Niereninfarkts ab. In vielen Fällen sind nur kleine Bereiche der Niere betroffen, dann zeigen sich häufig gar keine Symptome. Der Niereninfarkt fällt in diesem Fall meist später durch eine eingeschränkte Nierenfunktion auf.

Ist ein größeres Blutgefäß blockiert, betrifft die ausgefallene Blutversorgung ausgedehntere Teile der Niere, oder im schlimmsten Fall sogar die ganze Niere. Dann treten oft starke und langanhaltende Schmerzen an der Flanke auf. Möglicherweise kommen Fieber, Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Bluthochdruck hinzu.

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Ursachen und Risikofaktoren für einen Niereninfarkt

In 90 Prozent der Fälle ist eine Embolie für einen Niereninfarkt verantwortlich. Dabei gelangt ein Gerinnsel mit dem Blut in die Niere und bleibt dort in einem Blutgefäß stecken.

In selteneren Fällen ist eine Thrombose in einer Nierenarterie für den Infarkt verantwortlich. Dabei entsteht ein Riss oder eine Verengung in einer Nierenarterie. Dort bildet sich dann ein lokales Blutgerinnsel.

Möglich sind aber auch andere Fremdkörper im Blut, zum Beispiel Tumorgewebe bei Krebspatienten, Cholesterinkristalle, eingeschwemmtes Fett oder Blasen im Blut. Der Effekt ist bei allen Ursachen jedoch der gleiche: Das Blut kann nicht mehr richtig (oder gar nicht mehr) zur oder von der Niere weg fließen.

Risikofaktoren für einen Niereninfarkt sind:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose
  • Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern, Rechtsherzversagen oder Herzinfarkte in der Vergangenheit
  • Bindegewebserkrankungen wie Lupus erythematodes
  • Röntgenuntersuchungen der Nierengefäße
  • Gefäßverletzungen durch Operationen

Anatomie der Niere

Diagnose eines Niereninfarkts

Erste Hinweise auf einen Niereninfarkt ergeben sich oft schon durch die Schilderung der Beschwerden und das Abtasten des Bauches und der Flanken. Zusätzlich wird sich der Arzt nach anderen Erkrankungen erkundigen, die Risikofaktoren für einen Niereninfarkt darstellen können.

Blut- und Urinuntersuchungen können hilfreich sein, sind aber leider meist unspezifisch. Mögliches Anzeichen kann ein Anstieg von weißen Blutkörperchen oder von Serumkreatinin (Stoffwechselprodukt, das Rückschlüsse auf die Nierenfunktion ermöglicht) sein. Eine Ultraschalluntersuchung (eventuell mit Doppler-Sonografie) kann eine mangelnde Durchblutung in der Niere meist gut darstellen.

Möglicherweise ist zusätzlich eine Computertomografie oder eine Angiografie (Darstellung der Blutgefäße) notwendig, um den Niereninfarkt sicher zu diagnostizieren. Abgrenzen muss man ihn von einem Nierentumor, einer Nierenzyste, einer Nierenkolik, einem Harnsteinleiden und einer Nierenbeckenentzündung.

Behandlung eines Niereninfarkts

In den meisten Fällen werden Niereninfarkte medikamentös behandelt. Schmerzmittel lindern die akuten Beschwerden, Blutdrucksenker regulieren den Blutdruck, Heparin hemmt die Blutgerinnung und löst im Idealfall kleine bestehende Blutgerinnsel auf.

Liegt eine Grunderkrankung vor, muss auch diese behandelt werden.

Bei einem starken Niereninfarkt kommt auch eine operative Entfernung des Blutgerinnsels oder eine Lyse-Therapie infrage. Die operative Entfernung ist aber mit hohen Risiken verbunden und wird deshalb nur selten durchgeführt. Bei der Lyse-Therapie führt der Arzt einen Katheter in das betroffene Blutgefäß ein und appliziert ein Medikament direkt am Blutgerinnsel. Dieses wird dadurch aufgelöst, sodass das Blut wieder ungehindert fließen kann.

Ist die Funktion der Nieren stark eingeschränkt, kann nach dem Infarkt eine Dialyse nötig sein, um die Aufgaben der Nieren vorübergehend zu übernehmen.

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Prognose bei einem Niereninfarkt

Wie ein Niereninfarkt verläuft, hängt stark vom Ausmaß des Infarkts und von der Dauer der Durchblutungsstörung ab. Je länger Gewebe nicht ausreichend durchblutet wurde, umso größer ist das Risiko, dass es abstirbt. Bei einem ausgedehnten Infarkt besteht die Gefahr, dass die betroffene Niere (oder sogar beide Nieren) nicht zu retten sind. In den meisten Fällen ist der Niereninfarkt jedoch nicht so stark ausgeprägt, sodass eine weitgehende oder sogar vollständige Erholung möglich ist. Auch wenn eine vorübergehende Dialyse notwendig wird, können die Nieren im Anschluss ihre Funktion wiederaufnehmen.

Entscheidend für eine gute Prognose sind eine schnelle Diagnose und Behandlung. Bei plötzlichen, starken Flankenschmerzen sollten Sie deshalb schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.