Entzündliche Erkrankungen des Urogenitaltraktes


Unter dem Urogenitaltrakt versteht man alle Geschlechts- und Harnorgane. Wie bei den meisten anderen Körperregionen kann es auch hier zu Infektionen und Entzündungen kommen, die aber meist gut behandelt werden können.

Die Organe des Urogenitaltrakts

Die Geschlechts- und Harnorgane werden häufig unter dem Begriff Urogenitaltrakt zusammengefasst. Beim Mann gehören dazu Penis, Hoden und Prostata, bei der Frau Vulva, Vagina, Gebärmutter und Eierstöcke. Bei beiden Geschlechtern kommen die Harnorgane dazu: Harnröhre, Blase, Harnleiter, Nieren und Nierenbecken.

Männliche Anatomie mit Lage der Harnblase
© Henrie / Fotolia

Bei Frauen häufiger: Harnwegsentzündungen

Die häufigste Entzündung im Urogenitaltrakt betrifft die Harnwege. Vor allem Frauen kennen die unangenehme Blasenentzündung (oder auch Harnwegsentzündung). Das Wasserlassen schmerzt oder brennt, der Harndrang ist deutlich erhöht, manchmal kommen weitere Krankheitszeichen wie Fieber oder Abgeschlagenheit dazu.

Entzündungen der Harnwege treten sehr viel häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Grund dafür ist die viel kürzere Harnröhre. Zu Beginn kann eine Harnwegsentzündung noch mit Hausmitteln behandelt werden. Wichtig ist besonders eine hohe Trinkmenge. Auch eine Wärmflasche im Bereich der Blase kann sehr guttun. Bessern sich die Beschwerden allerdings nicht innerhalb kurzer Zeit, ist ein Arztbesuch wichtig. Meist verschreibt der Arzt dann Antibiotika, damit sich die Entzündung nicht ausweitet, zum Beispiel ins Nierenbecken.

Arztsuche

Nierenbeckenentzündung – eine ernste Krankheit!

Eine mögliche Komplikation der Harnwegsentzündung ist eine Nierenbeckenentzündung. Dabei wandern die Keime über die Harnleiter aufwärts ins Nierenbecken. Typische Symptome sind plötzlich auftretendes Fieber, Schmerzen im Bereich der Flanken, Schüttelfrost und allgemeines Unwohlsein. Außerdem können Blut im Urin oder Schmerzen beim Wasserlassen dazukommen.

Eine Nierenbeckenentzündung gehört so schnell wie möglich in die Hände eines Arztes. Er wird den Patienten befragen, den Urin untersuchen und den Bereich der Nieren abklopfen, um eine Diagnose zu stellen. Auch Blutuntersuchungen oder Ultraschall sind möglich. In den meisten Fällen wird dann ein Antibiotikum nötig, um die Entzündung einzudämmen.

Wird eine Nierenbeckenentzündung nicht behandelt, kann sie chronisch werden und im schlimmsten Fall die Nieren dauerhaft schädigen. Im Zusammenhang mit der Nierenbeckenentzündung kommt es oft auch zur Nierenentzündung oder zur Harnleiterentzündung.

Weitere Entzündungen des Urogenitaltrakts

Neben diesen Problemen können auch noch weitere Infektionen im Urogenitaltrakt auftreten, zum Beispiel:

  • Eichelentzündung (Balantitis): Eine Eichelentzündung zeigt sich durch Rötungen und Schmerzen an der Eichel, meist auch an der Vorhaut. Auch Ausschläge oder Juckreiz sind möglich. Häufig kommt ein Ausfluss aus der Eichel dazu. Die Entzündung lässt sich in der Regel mit antibiotischen Salben und einer angemessenen Intimpflege gut behandeln.
  • Hodenentzündung (Orchitis): Eine Entzündung am Hoden kommt eher selten vor und steht meist im Zusammenhang mit anderen Krankheiten. Bei Schwellungen, Rötungen oder Schmerzen am Hoden oder Hodensack sollten Betroffene auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Durch Kühlung, Hochlagern und Ruhigstellen des Hodens können sich die Probleme schnell verbessern, oft sind aber auch Medikamente notwendig.
  • Prostataentzündung (Prostatitis): Wenn die Prostata (auch Vorsteherdrüse genannt) entzündet ist, fühlen die Betroffenen meist ein Druckgefühl im Dammbereich sowie Schmerzen im Unterbauch und Probleme beim Wasserlassen. Je nach Ursache der Erkrankung werden Antibiotika oder andere Medikamente nötig.
  • Morbus Ormond: Diese seltene entzündliche Erkrankung führt zu übermäßigem Bindegewebe im hinteren Bauchraum. Durch das Wachstum können andere Organe eingeengt und in ihrer Funktion behindert werden. Manchmal lässt sich eine konkrete Ursache finden und ausschalten, sodass die Beschwerden nicht mehr auftreten. Ansonsten ist eine symptomorientierte Behandlung nötig.