Prostatakrebs (Prostatakarzinom)


Beim Prostatakarzinom handelt es sich um eine bösartige Tumorerkrankung der Prostata, an der in Deutschland jedes Jahr mehr als 60 000 Männer erkranken. Über 80 Prozent der betroffenen Männer sind zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 60 Jahre. Die Diagnose von Prostatakrebs erfolgt in der Regel durch eine Tastuntersuchung, die Bestimmung des PSA-Werts im Blut, eine Ultraschalluntersuchung, eine Prostatabiopsie und eine Röntgenuntersuchung.

Zur Behandlung des Prostatakarzinoms stehen mit der radikalen Prostatektomie, d.h. der operativen Entfernung der Prostata, der Bestrahlung, der Hormontherapie und der Chemotherapie verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

Häufigkeit, Ursachen und Charakteristik des Karzinoms

Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 60 000 Männer an einem Prostatakarzinom. Damit ist das Prostatakarzinom vor Lungen- und Darmkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei ca. 69 Jahren. Etwa 12 000 Männer versterben pro Jahr an den Folgen eines Prostatakarzinoms.

Ob ein Mann an einem Prostatakarzinom erkrankt, hängt von vielen zum Teil heute noch völlig unbekannten Faktoren ab. Der wichtigste Faktor ist das Alter: über 80 Prozent der Männer, bei denen ein Prostatakarzinom diagnostiziert wird, sind älter als 60 Jahre. Auch die Vererbung spielt eine Rolle. 5 bis 10 Prozent der Prostatakarzinome sind genetisch bedingt. Männer, deren Vater oder Bruder an einem Prostatakarzinom leidet, haben ein zweifach höheres Risiko, selbst an einem Prostatakarzinom zu erkranken.

Eine Fülle weiterer Faktoren wurden und werden in der Literatur diskutiert, beispielsweise das Sexualverhalten, Infektionen, Viren, die gutartige Vergrößerung der Prostata, die Ernährung und ökonomische Faktoren. Bisher hat aber keine Studie überzeugende Beweise dafür liefern können, dass diese Faktoren tatsächlich ursächlich für das Entstehen von Prostatakarzinomen sind.

Das Prostatakarzinom unterscheidet sich in einem Punkt von den meisten anderen Krebsarten. Es handelt sich in der Regel um einen langsam wachsenden Tumor. Deshalb gibt es meist keinen Zeitdruck. Anders als bei anderen Krebserkrankungen gilt beim Prostatakarzinom nicht in jedem Fall die Regel „je früher und aggressiver die Behandlung, desto besser der Erfolg“. Es müssen vielmehr die besten Chancen im Hinblick auf die Behandlungs- und die Lebensqualität des einzelnen Patienten herausgefunden werden. Hierbei werden heutzutage unterschiedliche Therapieformen eingesetzt.

Diagnose des Prostatakarzinoms

Die Behandlung des Prostatakarzinoms ist in hohem Maße abhängig von der genauen Einschätzung des jeweiligen Tumorstadiums. Dabei hilft eine ganze Reihe von diagnostischen Schritten und Maßnahmen, um dieses so genau wie möglich zu bestimmen. Da alle diese Untersuchungen Vor- und Nachteile bzw. Schwächen haben, versucht man durch eine Kombination der Verfahren eine möglichst hohe Diagnosegenauigkeit zu erreichen.

Tastuntersuchung zur Diagnose des Prostatakarzinoms

Bei der Tastuntersuchung durch den Enddarm können Knoten und Veränderungen getastet werden und sich eventuell Hinweise auf ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung zeigen.

Bestimmung des PSA-Werts

Der PSA-Wert ist ein Bluttest, mit dem das Prostataspezifische Antigen (PSA) nachgewiesen wird. Bei einem Krebsbefall zeigen sich im Blut meist erhöhte PSA-Werte. Leider sind diese nicht sehr „spezifisch“, denn auch bei anderen Vorgängen in der Prostata, wie z.B. Entzündungen oder Vergrößerungen, kann es zu einem Anstieg des PSA-Wertes kommen. Außerdem gibt es auch PSA-negative Prostatakarzinome.

Laboranalysegerät für PSA-Tests
Laboranalysegerät für PSA-Tests (Dr. Mühlbayer, KSK Reutlingen)

Ultraschalluntersuchung

Mit Hilfe des Ultraschalls werden die Nieren, die Blase sowie mit einer speziellen Schallsonde auch die Prostata durch den Enddarm untersucht. Verschiedene Verfeinerungen des Ultraschalls, wie z.B. die sogenannte Elastographie oder das Histoscanning wurden in den letzten Jahren entwickelt, um die diagnostische Genauigkeit der Methode zu erhöhen.

Prostatabiopsie

Bei der Prostatabiopsie werden gezielt Gewebeproben aus der Prostata entnommen. Sie ist die genaueste Untersuchung zur Einschätzung des Tumorstadiums. Die Gewebeentnahme erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung mit Hilfe einer Hohlnadel Ultraschall-gestützt durch den Enddarm. Die Gewebeproben werden zur mikroskopischen Untersuchung an den Pathologen gesandt. Das Ergebnis der Gewebeprobe liegt nach ca. 2 bis 3 Tagen vor.

Schematische Darstellung der Prostatabiopsie
Gewebeentnahme © bilderzwerg / Fotolia

Röntgenuntersuchung

Mit Hilfe der modernen Röntgendiagnostik lassen sich die Eingeweide und Knochen sowie die örtlichen Lymphknoten darstellen – alles Körperteile, die bei einer fortgeschrittenen Erkrankung betroffen sein können.

Dabei dient das Knochenszintigramm zur Beurteilung, ob sich eventuelle Absiedelungen von Krebszellen in den Knochen befinden. Sollte es Hinweise darauf geben, dann erfolgen weitere Röntgen-Untersuchungen, um diese genauer abzuklären.

Skelettszintigramm mit Mehrspeicherungen im Bereich der Rippen und des Beckens (Prof. Lenz, Radiologische Klinik KSK Reutlingen)
Skelettszintigramm mit Mehrspeicherungen im Bereich der Rippen und des Beckens (Prof. Lenz, Radiologische Klinik KSK Reutlingen)

Weitere Untersuchungen zur Diagnose eines Prostatakrebses

Mit Hilfe der Computertomografie (CT) sowie der Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich die örtlichen Lymphknoten sowie die Prostata mit ihrer Umgebung darstellen. Eine weitere neuere Untersuchung ist die Positronen-Emissions-Tomografie (PET), mit deren Hilfe man noch genauer und gezielter nach eventuellen Absiedelungen von Krebszellen suchen kann.

Unter Umständen ist es sinnvoll, vor einer eventuell erfolgenden Bestrahlung nur die örtlichen Lymphknoten im kleinen Becken zu entfernen, um das genaue Tumorstadium zu bestimmen und auszuschließen, dass die örtlichen Lymphknoten befallen sind. Das hat den Vorteil, dass man das Bestrahlungsfeld kleiner halten kann oder unter Umständen die Operation mit vollständiger Entfernung der Prostata möglich ist.

Kernspintomographisches Bild eines Prostatakarzinoms (Prof. Lenz, Radiologische Klinik KSK Reutlingen)
Kernspintomographisches Bild eines Prostatakarzinoms (Prof. Lenz, Radiologische Klinik KSK Reutlingen)

Die Risikoabschätzung des Krebsbefalls

Ausgehend von den im Rahmen der Diagnostik erhobenen Befunden wird die Krebserkrankung einem Tumorstadium entsprechend der TNM-Klassifikation zugeordnet:

  • T -> Größe und Ausbreitung des Tumors
  • N -> Zahl der befallenen Lymphknoten (N= nodes)
  • M -> eventuell vorhandene Absiedelungen in Organen, sogenannte Metastasen

Daneben spielt der sogenannte Gleason-Score sowie das Grading eine wichtige Rolle. Diese Werte werden mit Hilfe der bei der Prostatabiopsie gewonnenen Gewebeproben bestimmt und sind ein Maß für die Aggressivität der Krebserkrankung. Weiterhin wichtig für die Risikoabschätzung sind der PSA-Wert sowie der Tastbefund und Ergebnisse der bildgebenden Diagnostik.

Anhand all dieser Daten werden die Patienten in eines der drei Risikoprofile niedrig – mittel – hoch eingestuft.

Behandlung des Prostatakrebses im früheren Stadium

Abhängig von den genannten Risikoprofilen und der Tatsache, ob die Erkrankung auf die Prostata begrenzt ist oder ein fortgeschrittener Tumor vorliegt, ergeben sich beim Prostatakarzinom verschiedene Therapiemöglichkeiten.

Operative Behandlung des Prostatakarzinoms

Die Operation ist eine sehr wirksame Therapie, wenn der Krebs ausschließlich auf die Prostata begrenzt ist. Die sogenannte radikale Prostatektomie, d.h. die vollständige operative Entfernung der mit Krebszellen befallenen Prostata mitsamt Samenblasen und Endstücken der Samenleiter, ist die Prostatakarzinom-Therapie der ersten Wahl, da die Heilungs- und Überlebenschancen danach am größten sind.

Um die Prostata zu entfernen, sind prinzipiell drei Techniken möglich:

  • die offene, sogenannte retropubische Prostatektomie
  • die perineale Prostatektomie
  • die minimal-invasive, laparoskopische Prostatektomie (mit oder ohne Unterstützung des DaVinci-Systems, siehe unten)

Männliche Anatomie mit Lage der Harnblase
© Henrie / Fotolia

Bei allen Techniken werden drei Ziele verfolgt:

  • vollständige Entfernung des Tumors
  • Erhaltung der Kontinenz
  • Erhaltung der Potenz

Die ersten beiden Ziele sind vorrangig, der Erhalt der Potenz macht nur Sinn, wenn der Mann vor der Operation potent ist. Beim Potenzerhalt werden die dicht an der Prostata entlanglaufenden Potenznerven geschont. Hat das Prostatakarzinom jedoch schon die Kapsel der Prostata durchbrochen, ist ein Nerverhalt nicht mehr möglich.

Die offene, retropubische, radikale Prostatektomie

Nach einem Unterbauchmittelschnitt unterhalb des Nabels entfernt der Operateur die Lymphknoten von der seitlichen Beckenwand. Danach erfolgt die Durchtrennung der Harnröhre und die komplette Ablösung der Prostata vom Endarm und von der Harnblase. Nach der Entnahme der Prostata wird die Blase wieder mit der Harnröhre verbunden.

Je nach Stadium und Risikogruppe der Erkrankung sowie den Grundvoraussetzungen und Wünschen des Patienten ist es möglich, die Operation nerverhaltend durchzuführen. Hierdurch werden bei 30 bis 70 Prozent der Patienten die Fähigkeit zur Erektion erhalten, so dass Geschlechtsverkehr auch nach der Radikaloperation möglich ist.

Hauptziel der Operation ist aber in jedem Fall eine komplette Entfernung des Tumors mit sogenannten negativen Schnitträndern. Ein negativer Schnittrand liegt vor, wenn nach einer pathohistologischen Untersuchung der Prostata keine Krebszellen gefunden werden.

Die perineale Prostatektomie

Bei dieser Technik handelt es sich im Prinzip ebenfalls um eine offene Operation, nur dass der Zugang durch einen Dammschnitt erfolgt.

Die laparoskopische radikale Prostatektomie

Bei diesem minimal-invasivem Verfahren wird die Prostata nicht durch einen einzigen, großen Unterbauchschnitt, sondern durch mehrere kleine Inzisionen im Unterbauch mit sogenannten laparoskopischen Instrumenten entfernt.

Der Raum oberhalb der Prostata wird dann mittels Einfuhr eines sogenannten Ballontrokars aufgebläht und anschließend mit Gas gefüllt, um eine bessere Übersicht beim Operieren zu haben. Die übrigen Schnitte verlaufen analog dem offenen Vorgehen.

Die laparoskopische radikale Prostatektomie mit Unterstützung des Da Vinci-Systems

Eine DaVinci-Operation ist ein laparoskopischer Eingriff, bei dem der Operateur nicht direkt am Patienten operiert, sondern an einer Konsole. Der Computer überträgt die Bewegungen des Chirurgen mithilfe von Roboterarmen auf den Patienten. Ein dreidimensionales, bis zu 10-fach vergrößertes Bild, eine zitterfreie Übertragung der Handbewegungen des Chirurgen auf die Arme des Patientenwagens und eine nahezu ungehinderte Bewegung der Kamera im Körper des Patienten ermöglichen ein sehr exaktes und schonendes Vorgehen.

DaVinci-System
Das Da Vinci System ©2012 Intuitive Surgical, Inc

Die Vorteile der konventionellen und der DaVinci-unterstützten laparoskopischen Operationen liegen, neben dem exakten Operieren, in einem geringeren Blutverlust, einem geringeren Trauma mit weniger postoperativen Schmerzen und einer schnelleren Wiederherstellung der Patienten.

Mögliche Komplikationen und Folgen der operativen Behandlung

Der Vorteil der radikalen Prostatektomie besteht in der vollständigen Heilung der Prostatakrebserkrankung durch die Operation und Entfernung des tumortragenden Organs. Dadurch bleiben dem Patienten die Probleme wie Blutung oder Harnsperre bei einem eventuellen Fortschreiten oder Wiederauftreten der Erkrankung unter anderen Therapien erspart. Die Operation birgt aber auch Risiken und Operationsfolgen.

Neben den allgemeinen Risiken einer Operation wie Blutungen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen, welche sehr selten auftreten, werden insbesondere der Urinverlust sowie die Impotenz als belastend empfunden. Durch die modernen Operationstechniken können diese Folgen minimiert werden.

Bei entsprechend niedrigen Tumorstadien (Gleason-Score < 7b, PSA < 10 ng/ml) kann ein Erhalt der Potenznervenfasern erfolgen, so dass Impotenz vermieden werden kann.

Unmittelbar nach der Operation sind viele Patienten zuerst nicht „trocken“, d.h. sie verlieren unkontrolliert oder bei Belastung (Husten, Heben, Lachen) Urin. Die meisten Patienten sind jedoch nach wenigen Wochen oder Monaten wieder in der Lage, ihren Urin zu halten und überbrücken diese Zeit mit der Verwendung von Einlagen.

Sollten im Rahmen der Operation die lokalen Lymphknoten entfernt werden, besteht das Risiko, dass es zu einem Lymphstau im kleinen Becken (Lymphzyste/ Lymphocele) oder in den Beinen kommt. Unter Umständen muss hier eine Drainage der Lymphansammlung erfolgen.

In seltenen Fällen kann es als späte Folge der Operation zum Auftreten einer Engstelle im Bereich der neuen Harnblasen-Harnröhrenverbindung kommen – der sogenannten „Anastomosenenge“. Dabei können Betroffene nur noch erschwert Wasser lassen und der Kraftaufwand dabei steigt. Durch einen kleinen Eingriff (Bougierung, Schlitzung) kann diese wieder geweitet werden.

Die Bestrahlung beim Prostatakarzinom

Bei einem auf das Organ begrenzten Tumorstadium und bei fehlendem Hinweis auf Fernabsiedelungen kann eine Strahlentherapie eine Heilung bewirken. Die Bestrahlung kommt auch zur Anwendung, wenn sich bei der Operation herausstellt, dass das Organ nicht vollständig im Gesunden entfernt werden konnte oder die örtlichen Lymphknoten befallen sind.

Arten der Bestrahlung beim Prostatakarzinom

Die Bestrahlung beim Prostatakarzinom kann dabei durch zwei Arten erfolgen, abhängig von der Lage der Strahlenquelle.

Bei der externen (perkutanen) Strahlentherapie wird die Prostata mit Hilfe eines Linearbeschleunigers von außen bestrahlt. Das umliegende gesunde Gewebe der Tumorregion lässt sich dabei durch eine exakte Bestrahlungsplanung weitgehend schonen. Die Strahlentherapie des Prostatakarzinoms, die aus täglichen, kleine Einzeldosen besteht, erstreckt sich über mehrere Wochen und kommt vor allem für Patienten in Frage, deren Prostatakarzinom frühzeitig diagnostiziert wurde und die sich keiner Operation unterziehen wollen.

Linacprostate
Ein Linearbeschleuniger für eine externen (perkutane) Strahlentherapie

In ausgewählten Fällen erfolgt die Bestrahlung von „innen“, d.h. eine Strahlenquelle wird vorübergehend (durch Hohlnadeln, sogenanntes „Afterloading“) oder dauerhaft (durch Einbringen von radioaktiven Metallstiften, sogenannte „Seeds“) direkt in die Prostata eingebracht. Die sogenannte Brachytherapie kann bei weniger aggressiven Tumoren zum Einsatz kommen und wird im Rahmen eines ambulanten Eingriffs unter Kurznarkose durchgeführt.

Ablauf der Bestrahlung beim Prostatakarzinom

Vor dem eigentlichen Beginn der Bestrahlung erfolgt die exakte Planung der Therapie. Dabei wird durch eine Computertomografie des kleinen Beckens die Prostata und das umgebende Gewebe genau vermessen und die Größe des Bestrahlungsfeldes festgelegt.

Bei der modernen Bestrahlung erfolgt die Abgabe der Strahlung „intensitätsmoduliert“ (IMRT), d.h. das Gebiet der Prostata wird möglichst gleichmäßig und hoch dosiert bestrahlt, während die Nachbarorgane wie Harnblase und Darm geschont werden. Im Fall eines Befalls der Lymphknoten erfolgt die Mitbestrahlung der Lymphabflusswege, was zu einer Vergrößerung des Bestrahlungsfeldes führt.

In Abhängigkeit von der Aggressivität des Prostatakarzinoms wird neben der Bestrahlung eine antihormonelle Therapie zur Verkleinerung des Tumors über maximal 3 Jahre durchgeführt.

Die Bestrahlung erfolgt in den meisten Fällen ambulant in mehreren Sitzungen (5x pro Woche) über einen Zeitraum von mehreren Wochen (ca. 7-9 Wochen).

Mögliche Komplikationen und Folgen der Bestrahlung beim Prostatakarzinom

Auch bei der modernen Bestrahlung werden die Nachbarregionen und Organe der Prostata in Mitleidenschaft gezogen. Ein Großteil der Nebenwirkungen ist vergleichbar mit der Operation des Prostatakrebses und von vorübergehender Natur. Vor allem die Darm- und Harnblasenreizung mit Stuhl- und Harninkontinenz sind typische Beschwerden.

Selten sind Harnröhrenverengungen oder Schrumpfblasen. Auch bei der Bestrahlung kann es zu Erektionsstörungen kommen – teilweise bis hin zur Impotenz. Im Gegensatz zur Operation treten diese langsam mit der Zeit im Verlauf von Monaten auf, während sie bei einer Operation unter Umständen sofort vorhanden sind. Auch hier kann mit neuen Medikamenten (z.B. Viagra) und Implantaten (z.B. Penisprothese) den Betroffenen bei Eintreten der Nebenwirkungen und Folgen der Behandlung geholfen werden.

Die Bestrahlung wird heutzutage fast ausschließlich in Kombination mit der Hormontherapie durchgeführt, häufig über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren, so dass alle Nebenwirkungen der Hormontherapie auch bei der Bestrahlung zum Tragen kommen.

Kontrolliertes Zuwarten und aktives Monitoring beim Prostatakarzinom

Insbesondere bei älteren Patienten und einem niedrigen Risikoprofil des Tumorstadiums gibt es die Möglichkeit, das Prostatakarzinom aktiv zu überwachen. In diesen besonderen Fällen weiß man durch wissenschaftlichen Untersuchungen, dass der Prostatakrebs so langsam oder gar nicht wächst, dass das Karzinom mit großer Wahrscheinlichkeit keine Beschwerden verursachen wird.

Deshalb muss man diesen Tumor auch nicht sofort behandeln. Wichtig ist aber, die Wucherung sorgfältig zu beobachten, um rechtzeitig zu erkennen, wenn sie wächst oder fortschreitet.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten beim Prostatakarzinom

Es gibt eine ganze Reihe sogenannter „alternativer“ Behandlungsmöglichkeiten: „Triple-Therapie nach Leibowitz“, „Hypothermie“, „Galvanotherapie“ usw. Alle diese Verfahren halten wissenschaftlichen Bewertungen zur Wirksamkeit nicht stand.

Andere Verfahren wie HIFU oder Photonentherapie befinden sich noch in der Erprobung, so dass noch keine belastbaren Aussagen zur Wirksamkeit vorhanden sind.

Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P)

Wenn es durch das Wachstum des Prostatakarzinoms zu einer Einengung der Harnröhre und damit zu einem Harnrückstau kommt, kann das einengende Tumorgewebe transurethral, also durch einen über die Harnröhre vorgenommenen Eingriff, entfernt werden.

Bei dieser sogenannten TUR-P-Operation handelt es sich jedoch nicht um eine krebseliminierende Operation, sondern lediglich um eine Behebung der Behinderung der Blasenentleerung.

Behandlungsmöglichkeiten beim fortgeschrittenen Prostatakrebs

Die Hormontherapie beim Prostatakarzinom

Ist eine vollständige Entfernung des Prostatakarzinoms durch eine Operation oder Strahlentherapie nicht möglich oder hat der Krebs bereits andere Organe befallen, kommt die sogenannte Hormonentzugstherapie zur Wachstumshemmung der Prostatakrebszellen in Betracht. Dabei wird dem Krebs sozusagen der Nährboden entzogen. Das Prostatakarzinom benötigt für sein Wachstum das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Bei der Hormontherapie wird mit Medikamenten die Wirkung des Testosterons am Hoden und an den Tumorzellen blockiert oder dessen Bildung verhindert. Die Gabe des Medikaments erfolgt entweder subcutan unter die Haut oder oral als Tabletten.

Die Hormontherapie ist jedoch auch mit Komplikationen verbunden. Sie kann das Allgemeinbefinden stören und zu Hitzewallungen, Schwellung der Brustdrüsen und depressiven Verstimmungen führen und Auswirkungen auf die Sexualität haben. Außerdem führt sie zu Gewichtszunahme, abnehmender Muskelmasse und Verminderung der Knochendichte.

Bei fortgeschrittenen Tumoren ist die Hormonbehandlung eine Dauertherapie, d.h. sie wird in der Regel so lange fortgeführt, wie sie eine Wirkung zeigt. Erst, wenn das Prostatakarzinom trotz der Behandlung weiterwächst oder sich neue Metastasen bilden, muss die Strategie geändert werden. Eine Möglichkeit ist der Wechsel auf eine andere Form der Hormonbehandlung, zum Beispiel mit Östrogenen.

Intermittierende Androgenblockade und Chemotherapie

Auch eine sog. intermittierende Androgenblockade kann versucht werden. Hierbei wechseln mehrmonatige Behandlungsphasen mit therapiefreien Intervallen ab.

Schreitet die Erkrankung trotzdem weiter voran, kommt eine Chemotherapie in Frage. Dabei werden zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) verabreicht, die das Zellwachstum und damit das Tumorwachstum verhindern.

Die Behandlung bringt zwar keine Heilung, aber sie kann den Krankheitsverlauf erheblich verzögern. Eingesetzt werden heutzutage vor allem Taxane (Docetaxel, Cabazitaxel).

Behandlung von Metastasen beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom

Ein fortgeschrittener Prostatakrebs bildet häufig Tochtergeschwulste (Metastasen) in den Knochen. Diese können starke Schmerzen verursachen. Außerdem schädigen sie den Knochen, so dass es leicht zu Knochenbrüchen kommt. Die Bruchgefahr lässt sich durch eine Bestrahlung der Metastasen in der Regel abwenden, der Knochen verfestigt sich wieder.

Auch die Gabe von bestimmten radioaktiven Substanzen, die sich in erkranktem Knochen anreichern und ihn von innen bestrahlen, können zu Rückbildungen der Knochentumoren führen (Radionuklidtherapie). Beide Methoden sind auch wirksame Mittel zur Schmerzbekämpfung. Darüber hinaus kann die Gabe von Substanzen, die den Knochenabbau hemmen (Bisphosphonate, z.B. Zoledronsäure), das Risiko von Komplikationen durch Knochenmetastasen verringern und die Schmerzen lindern. Auch eine kombinierte Strahlen-/Bisphosphonattherapie kann Schmerzen infolge von Knochenmetastasen wirksam bessern.

Im fortgeschrittenen Stadium der Prostatakrebserkrankung stehen für den Patienten häufig Schmerzen im Vordergrund. Sie beeinträchtigen seine Lebensqualität stärker als der Tumor selbst. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist in diesem Falle die wirksame Schmerzbekämpfung. Mit den heute verfügbaren Medikamenten und Methoden lassen sich Tumorschmerzen in den meisten Fällen gut lindern.

Screening zur Früherkennung von Prostatakrebs

Die Bedeutung des PSA-Wertes im Rahmen des Screenings und der Früherkennung des Prostatakarzinoms ist derzeit Gegenstand einer kritischen Debatte. Hintergrund sind Studien, die scheinbar gezeigt haben, dass durch Reihenvorsorgeuntersuchungen die Sterblichkeit am Prostatakarzinom nicht gesenkt werden konnte. Eine aktuelle Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft (AUO) setzt sich mit dieser Kritik auseinander. Danach liegt das Hauptproblem derartiger Studien darin begründet, dass ältere Männer häufig Begleiterkrankungen haben, die ihrerseits die Lebenserwartung begrenzen.

Bei Männern mit diagnostiziertem Niedrigrisikoprofil-Prostatakrebs (siehe oben) verändert sich deren Lebenserwartung durch eine aggressive Therapie des Prostatakarzinoms naturgemäß kaum. Auf der anderen Seite ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes im Rahmen der demographischen Entwicklung stark angestiegen und so werden vor allem jüngere, gesündere Männer und Männer mit einem aggressiveren Prostatakarzinom von der frühzeitigen Diagnose und Therapie profitieren. Entscheidend ist in allen Fällen eine sorgfältige Abwägung der verschiedenen Therapiemöglichkeiten – Operation – Bestrahlung – aktives Monitoring – und eine umfassende Beratung der betroffenen Männer und ihrer Partner/innen.

Fazit zur Behandlung des Prostatakarzinoms

Das Prostatakarzinom ist eine außerordentlich komplexe Erkrankung, deren Behandlung vom aktiven Monitoring, über modernste Operationsverfahren bis hin zur systemischen Chemotherapie reicht.

Ganz entscheidend ist eine individualisierte, auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie. Hierzu ist eine enge Zusammenarbeit sämtlicher beteiligten Disziplinen, vom Hausarzt, über den Urologen, den Strahlentherapeuten, den Onkologen, die Physiotherapie etc. notwendig. Diese enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ist in der Bundesrepublik vor allem in sogenannten Prostatakarzinomzentren (Deutsche Krebsgesellschaft; DKG) oder Prostatazentren (Dachverband der Prostatazentren Deutschlands) gewährleistet.

Die Richtlinien, nach denen die Diagnostik und Therapie heutzutage erfolgen sollte, wurden kürzlich in den sogenannten S3 Leitlinien festgelegt. Auf diesen Leitlinien basierende Patientenratgeber können auf der Website der DKG heruntergeladen werden: http://www.krebsgesellschaft.de/wub_broschueren_krebsarten,117200.html

Autoren:
Dr. med. Hartwig Schwaibold
Dr. med. Thomas Schöttle

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