Die Niere: Lebenswichtiges „Klärwerk“ des menschlichen Körpers



Die Niere ist ein paarig angelegtes, zum Harnsystem gehörendes Organ. Man kann es als „Klärwerk“ des Körpers bezeichnen, da die Nieren den Harn bilden und diesen zusammen mit giftigen und nicht mehr benötigten Stoffen aus dem Blut abfiltert.

Durch die Nieren fließt das gesamte Blut des Menschen etwa dreihundert Mal am Tag. Das bedeutet, sie filtern täglich durchschnittlich 1500 Liter.

Anatomie der Niere
© Michael Hoffmann

Der Aufbau der Niere

Die Nieren erinnern in ihrer Form an eine Bohne. Sie liegen auf beiden Seiten der hinteren Bauchwand zwischen dem zwölften Brustwirbel und dritten Lendenwirbel an und wiegen jeweils zwischen 120 und 200 Gramm. Zumeist ist die rechte Niere kleiner als die linke.

Jede der beiden Nieren verfügt über einen arteriellen Zufluss (Arteria renalis) sowie einen venösen Abfluss (Vena renalis), Lymphgefäße sowie einen Harnleiter (Ureter). Jede Niere besitzt einen oberen und einen unteren Pol. Dem oberen Pol sitzt jeweils die Nebenniere auf.

Im Längsschnitt setzt sich die Niere aus einer körnig aussehenden Rindenschicht (Cortex renalis) und einer strahlenartig gestreiften Markschicht (Medulla renalis) zusammen. Die Marksubstanz erstreckt sich in Form von etwa 10 kegelförmigen Nierenpyramiden in einen Hohlraum (Nierenbecken (Pelvis renalis)). In die Spitze dieser Nierenpyramiden, die Nierenpapille, münden jeweils ungefähr 20 Nierenkanälchen (Tubuli). Über diese Kanälchen gelangt der Harn in das Nierenbecken, welches er über den Harnleiter verlässt, um in die Harnblase abzufließen.

Anatomie der Niere

Innerhalb der Nierenrinde befinden sich etwa eine Million zwischen 0,1 und 0,2 Millimeter große Nierenkörperchen (Corpusculum renale). In diese ist jeweils ein Knäuel aus arteriellen Gefäßschlingen (Glomerulus) gebettet. Die Gefäßschlingen werden von einem Kapselraum (Bowman-Kapsel) umschlossen, mit dem sie die Blut-Harn-Schranke bilden. Hier wird dem Blut der Primärharn durch eine Filtermembran in den Kapselraum abgepresst.

Jedes Nierenkörperchen – die Gefäßschlingen zusammen mit der Bowman-Kapsel – bildet gemeinsam mit dem von diesen abgehenden Nierenkanälchen jeweils eine funktionelle Einheit der Niere – das sogenannte Nephron.

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Die Funktionsweise der Niere

Mithilfe der Nephronen kommen die Nieren ihrer Funktion nach. Dabei wird das Blut über eine zuführende kleine Arterie (Arteriola afferens) in die Kapillarschlingen innerhalb der Nierenkörperchen gepresst. Die Wände dieser Kapillaren verfügen über Poren und Schlitze, über die das Blut in den Innenraum der Bowman-Kapsel filtriert wird. Dabei können größere Moleküle wie Blutkörperchen und Eiweiße diese Filtermembran nicht passieren, sodass lediglich Wasser und kleine Moleküle aus dem Blut in den Kapselraum gelangen. Das Resultat dieser Filtration wird als Primärharn bezeichnet.

Dieser wird anschließend aus dem Kapselraum über einen Nierenkanal durch die sogenannte Henle-Schleife transportiert. Innerhalb dieser Schleife befindet sich ein weiteres Kapillarnetz. Der Primärharn enthält jedoch noch viele Stoffe, die der Körper für die Aufrechterhaltung seiner Funktion weiterhin benötigt. Daher erfolgt eine weitere Filterung: Während der Passage durch das zweite Kapillarnetz erfolgt durch osmotische Prozesse (Prozesse, bei denen Stoffe durch eine Membran dringen und sich in ihrer Konzentration ausgleichen) eine Resorption dieser Stoffe in das Blutsystem.

Hierzu gehören insbesondere das abfiltrierte Wasser, Elektrolyte wie Kalium und Natrium sowie Glukose. Das Resultat dieser Vorgänge ist der Endharn, der schließlich über das Nierenbecken in die ableitenden Harnwege zur Harnblase gelangt.

Über dieses System stellen die Nieren folgende Prozesse sicher:

  • die Ausleitung von giftigen (u.a. Medikamenten) und harnpflichtigen Substanzen (u.a. Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin) aus dem Körper
  • die Regulierung des Wasser- und Elektrolythaushalts
  • die Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts

Daneben produzieren die Nieren unter anderem die Hormone Renin und Erythropoetin, die an das Blut abgegeben werden und den Blutdruck regulieren bzw. die Bildung von roten Blutkörperchen im Knochenmark anregen. Auch Calcitriol, die aktivierte Form von Vitamin D3, wird in den Nieren gebildet. Über die Calcitriolkonzentration wird die Aufnahme von Kalzium und Phosphat im Darm reguliert.

Die häufigsten Nierenerkrankungen

Nierenerkrankungen (medizinisch: Nephropathien) beginnen zumeist symptomlos und werden daher oftmals erst im späteren Verlauf diagnostiziert. Die häufigsten Nierenerkrankungen sind:

  • Nierenerkrankung durch Diabetes mellitus Typ I und II (27 %) oder andere Systemerkrankungen (3 %)
  • Glomerulonephritis (20 %)
  • vaskuläre Nephropathie (15 %)
  • interstitielle Nephritis (13 %)
  • Nierenerkrankungen unbekannter Ursache (10 %)
  • Zystennieren (7 %)

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Diese Erkrankungen können zu einem dauerhaften Nierenversagen – zu einer sogenannten terminalen Niereninsuffizienz – führen.

Die häufigste Ursache für Nierenprobleme ist ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, durch den eine Schädigung der feinen Blutgefäße der Nierenkörperchen eintritt.

Bei einer Glomerulonephritis liegt beidseitig eine nicht bakteriell bedingte Entzündung in den kleinen Kapillarknäulchen (Glomeruli) vor.

Auch Arterienverkalkungen oder Bluthochdruck können zu einer Schädigung der Nierengefäße führen (vaskuläre Nephropathie).

Die interstitielle Nephritis bezeichnet Entzündungen, die zu einer Beschädigung der Nierenkanälchen führen. Die Entzündungen können bakteriell oder nicht-bakteriell bedingt sein.

Zystennieren sind genetisch bedingt. Die häufigste Form ist die sogenannte autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD). Insbesondere im höheren Alter führt die Erkrankung zu einer zunehmenden Einschränkung der Nierenfunktion, die bei etwa der Hälfte der Betroffenen eine Dialyse und/oder Transplantation erforderlich macht.

Darüber hinaus können sich in den Nierenkanälchen und im Nierenbecken Urinbestandteile ablagern und zur Bildung von Nierensteinen (Nephrolithiasis) führen. Nierensteine können in die Harnleiter gelangen und diese verengen. Dies begünstigt Entzündungen, Nierenkoliken sowie Harnwegsinfektionen und Nierenbeckenentzündungen.

Nierensteine
Schematische Darstellung von Nierensteinen