Harnleiterentzündung: Folge einer Infektion der Harnröhre oder Harnblase


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Eine Harnleiterentzündung ist eine Entzündung der Schleimhäute, die sich im Harnleiter befinden. In der Regel beginnt die Entzündung in den unteren Harnwegen, also in der Harnröhre und Harnblase. Wird die Infektion nicht entdeckt, so können die Bakterien in den Harnleiter aufsteigen und dort schmerzhafte Entzündungen auslösen. Die Harnleiterentzündung wird deshalb auch aufsteigende Infektion genannt.

Der Harnleiter (Ureter) ist nicht zu verwechseln mit der Harnröhre. Während der paarige Harnleiter den Urin von den Nieren zur Blase leitet, führt die Harnröhre den Urin aus dem Körper heraus.

Frauen haben ein höheres Risiko als Männer, an einer Harnwegsinfektion zu erkranken. Da die Harnröhre bei Frauen kürzer ist, können Bakterien schneller in Richtung Nierenbecken aufsteigen. Zudem ist ungefähr jede dritte schwangere Frau mindestens einmal von einer Infektion der Harnwege betroffen.

Harnwege
Die Harnwege. 1: Niere. 2: Nierenbecken. 3: Harnleiter. 4: Blase. 5: Harnröhre

Ursachen für eine Harnleiterentzündung

Eine Harnleiterentzündung kann verschiedene Ursachen haben.

In den meisten Fällen resultiert die Infektion aus einer Harnröhren- oder Harnblasenentzündung, bei der die Bakterien in den Harnleiter aufsteigen. Eine Harnröhreninfektion wird häufig durch Bakterien wie Chlamydien, Gonokokken (Tripper) oder Darmbakterien ausgelöst. Die Übertragung von Chlamydien und Gonokokken erfolgt in der Regel durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Darmbakterien können im Zuge von Schmierinfektionen in den Harnleiter gelangen, beispielsweise durch falsches Abwischen des Analbereiches nach dem Toilettengang.

Arztsuche

Weitere mögliche Ursachen:

  • Viren wie Herpes simplex oder Pilze
  • Allergien gegen bestimmte Verhütungs- und Gleitmittel
  • Jüngere Frauen sind vor allem bei kälteren Temperaturen anfällig für eine Blasenentzündung, aus der sich eine Harnleiterinfektion entwickeln kann.
  • Menschen mit Harnleitersteinen haben ein erhöhtes Risiko, an einer Entzündung der Harnleiterschleimhäute zu erkranken. Die Steine blockieren den Urinabfluss und reizen die Schleimhäute im Harnleiter, wodurch sich Bakterien einfacher ansiedeln können.

Symptome bei einer Harnleiterentzündung

Die Beschwerden bei einer Harnleiterentzündung sind denen einer Nierenbeckeninfektion sehr ähnlich. Typische Symptome sind:

  • Schmerzen in der Nierengegend, die in den Bauchraum und Rücken ausstrahlen können
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • häufiger Drang zum Wasserlassen
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Übelkeit
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Verstopfung

Bei älteren Menschen ab dem 65. Lebensjahr kommt die Harnleiterinfektion sehr häufig vor. Die Symptome sind jedoch geringer ausgeprägt, sodass die Entzündung oft unbemerkt bleibt und selten ein Arzt aufgesucht wird.

Diagnose der Harnleiterentzündung

Der erste Schritt bei der Diagnose einer Harnleiterentzündung ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt. Dieser befragt den Patienten zu seiner Krankheitsgeschichte und den Beschwerden. Im Gespräch sollte der Arzt auch die sexuellen Verhaltensweisen des Patienten (häufig wechselnde Sexualpartner, ungeschützter Geschlechtsverkehr, Verwendung von Verhütungs- und Gleitmitteln) erfragen.

Da eine Harnleiterentzündung in der Regel mit einer Infektion der Harnröhre bzw. Harnblase einhergeht, wird der Arzt die ableitenden Harnwege auf Bakterien hin untersuchen. Hierzu werden Urintests durchgeführt. Mittels Urin-Teststreifen kann ein Schnelltest auf Keime den Verdacht auf eine Harnwegsinfektion bestätigen. Ein Abstrich aus der Harnröhre liefert ebenfalls Hinweise auf die Auslöser der Infektion. Für eine sichere Diagnose und die Bestimmung der Erregerart werden Urinkulturen im Labor angelegt und Bakterien angezüchtet. Besteht der Verdacht auf Chlamydien, kann bei Frauen zusätzlich ein Abstrich aus dem Gebärmutterhals erfolgen.

Der konkrete Ort der Entzündung (Harnblase, Harnleiter, Nierenbecken) kann nur mithilfe aufwendiger Methoden wie Harnleiter- oder Blasenspiegelung identifiziert werden; dies ist jedoch meist nicht notwendig. Für den Behandlungserfolg ist in der Regel nur die Bestimmung des Erregers entscheidend.

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Behandlung und Prognose der Harnleiterentzündung

Die Therapie einer Harnleiterentzündung ist davon abhängig, welcher Erreger die Krankheit verursacht, und sollte so früh wie möglich eingeleitet werden. Sind Bakterien die Ursache für die Infektion, verschreibt der Arzt Antibiotika. Sind Pilze oder Herpes-Viren an der Harnwegsinfektion beteiligt, kommen Antipilzmittel (Antimykotika) und antivirale Medikamente zum Einsatz. Besteht der Verdacht auf eine Allergie gegen Verhütungsmittel, müssen diese abgesetzt und Alternativen gesucht werden.

Neben der medikamentösen Therapie gibt es Maßnahmen, die den Heilungsverlauf unterstützen und beschleunigen können. So ist es wichtig, dass der Patient viel trinkt und so oft wie möglich auf die Toilette geht, selbst wenn das Wasserlassen Schmerzen bereitet. Dadurch werden die Erreger besser ausgespült. Der Unterleib und die Füße sollten warmgehalten werden, denn Wärme regt die Durchblutung an und stärkt das Abwehrsystem. Ist die Entzündung sexuell übertragbar, sollten Sie während der Behandlung auf Geschlechtsverkehr verzichten.

In der Regel ist die Prognose bei einer Harnleiterentzündung sehr gut. Bei rechtzeitiger Therapie verschwinden die Beschwerden oft nach spätestens einer Woche. Ist die Infektion jedoch schon weit in Richtung Nierenbecken aufgestiegen, dauert die Therapie länger. In sehr seltenen Fällen kann die Harnleiterentzündung lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen und zu einer akuten Infektion mit Blutvergiftung (Urosepsis) führen. Es ist deshalb sehr wichtig, bei den ersten Anzeichen von Harnwegsinfektionen einen Arzt aufzusuchen.