Harnröhrenentzündung (Urethritis)


Bei einer Harnröhrenentzündung – auch Urethritis genannt – handelt es sich um einen sogenannten unteren Harnwegsinfekt, bei dem die Schleimhaut der Harnröhre entzündet ist. Je nach Ursache wird dabei zwischen einer spezifischen und einer unspezifischen Urethritis unterschieden. Zu den typischen Symptomen einer Harnröhrenentzündung gehören unter anderem Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie ein schleimiger, weißlich bis grüner Ausfluss aus der Harnröhre.

Definition: Was ist eine Harnröhrenentzündung (Urethritis)?

Von einer Harnröhrenentzündung oder Urethritis spricht man, wenn die Schleimhaut der Harnröhre, also jenes Kanals, der den Urin aus der Blase und dem Körper leitet, entzündet ist. Eine Harnröhrenentzündung wird deshalb auch – wie die Blasenentzündung – allgemein als unterer Harnwegsinfekt bezeichnet. Oftmals tritt eine Urethritis in Kombination mit anderen Entzündungen der Harnwege, Blase und Nieren auf, die ähnliche Symptome verursachen.

Sowohl Männer als auch Frauen können von einer Harnröhrenentzündung betroffen sein. Aufgrund der unterschiedlichen Anatomie der männlichen und weiblichen Harnwege – die Harnröhre des Mannes ist zwischen 25 und 30 Zentimeter lang, die der Frau nur etwa 3 bis 4 Zentimeter – sind die Beschwerden bei den beiden Geschlechtern jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Meist bestehen die Beschwerden einer Urethritis dabei in einem schleimigen Ausfluss aus der Harnröhre oder Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen.

Männliche Anatomie mit Lage der Harnblase und Harnröhre
© Henrie / Fotolia

Formen und Ursachen der Harnröhrenentzündung

Bei der Harnröhrenentzündung wird abhängig vom Auslöser der Erkrankung zwischen zwei Formen unterschieden: der spezifischen und der unspezifischen Urethritis. Die häufigste Form ist die spezifische Urethritis. Sie wird durch eine Infektion mit den sexuell übertragbaren Bakterien Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) verursacht, die für die Geschlechtskrankheit Tripper (Gonorrhoe) verantwortlich sind. Man spricht deshalb bei dieser Form der Harnröhrenentzündung auch von einer gonorrhoischen Urethritis.

Die unspezifische Urethritis – auch nicht-gonorrhoische Urethritis genannt – wird ebenfalls meist durch Erreger ausgelöst, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. In 50 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um die sogenannten Chlamydien. Aber auch andere sexuell übertragbare Bakterien sowie Viren (z.B. Herpes-simplex-Viren), parasitische Einzeller (z.B. Trichomonaden) und Pilze können für eine unspezifische Harnröhrenentzündung verantwortlich sein. Darüber hinaus können einer unspezifischen Urethritis auch nicht-infektiöse Ursachen zugrundeliegen. Hierzu gehören unter anderem

  • allergische Reaktionen,
  • mechanische Reizungen (z.B. durch einen Blasenkatheter),
  • chemische Reizungen (z.B. durch Krebsmedikamente)
  • und Bestrahlungen.

Arztsuche

Symptome einer Urethritis

In etwa 25 Prozent der Fälle verläuft eine Entzündung der Harnröhrenschleimhaut ohne ausgeprägte typische Beschwerden. Von einer solchen ohne Symptome bzw. symptomarm verlaufenden Harnröhrenentzündung sind dabei vor allem Frauen sehr häufig betroffen. So verursacht die Entzündung bei Frauen meist nur ein unangenehmes Gefühl oder leichte Schmerzen beim Wasserlassen. Sie wird deshalb in vielen Fällen gar nicht oder erst sehr spät erkannt.

Bei Männern sind die Symptome dagegen im allgemeinen stärker ausgeprägt und typischer als bei Frauen. So äußert sich eine Harnröhrenentzündung bei Männern unter anderem durch

  • einen schleimigen, weißlich bis grünen Ausfluss aus der Harnröhre (den sogenannten Urethralfluor), der sowohl gelblichgrünen Eiter als auch klaren Schleim enthalten kann,
  • brennende Schmerzen und Probleme beim Wasserlassen,
  • einen häufigen und starken Harndrang,
  • Unterleibsschmerzen,
  • ständiges Jucken und Brennen der entzündeten Harnröhre,
  • eine gerötete Austrittsöffnung der Harnröhre,
  • Blut im Urin,
  • und gegebenenfalls auch Fieber.

Bleibt eine Harnröhrenentzündung unentdeckt und deshalb unbehandelt, können sowohl bei Männern als auch bei Frauen Spätschäden die Folge sein. Hierzu gehören unter anderem eine Verengung der Harnröhre (Striktur), ein akuter Harnverhalt und Abszesse in der Harnröhre. Zudem kann eine Ausbreitung der Entzündung auf die Blase und die Nieren – sowie bei Männern auf die Hoden, Nebenhoden oder Prostata und bei Frauen auf die Gebärmutter, Eileiter oder Eierstöcke – die Folge sein.

Diagnose einer Harnröhrenentzündung

Die Diagnose einer Harnröhrenentzündung erfolgt meist durch ein Anamnesegespräch, bei dem sich der Arzt nach der Krankengeschichte und den genauen Beschwerden erkundigt, eine körperliche Untersuchung und den Nachweis der ursächlichen Erreger. Anhand der vom Patienten geschilderten Symptome und der bei der körperlichen Untersuchung festgestellten deutlichen Rötung der Harnröhrenöffnung kann der Arzt meist schon die Urethritis diagnostizieren.

Zur Absicherung der Diagnose und zum Nachweis der Erreger wird der Arzt zudem bei der körperlichen Untersuchung einen Abstrich aus der entzündeten Harnröhre entnehmen. Im Labor wird dieser Abstrich anschließend unter dem Mikroskop untersucht, um zu bestimmen, welche Erreger für die Entzündung verantwortlich sind. Zusätzlich lassen sich die ursächlichen Erreger auch durch eine Urinuntersuchung nachweisen und bestimmen.

Urinuntersuchung im Labor
Urinprobe im Labor mit Urinteststreifen © Gerhard Seybert / Fotolia

Behandlung einer Urethritis

Die Behandlung einer Harnröhrenentzündung richtet sich nach den zugrunde liegenden Erregern und Krankheitsauslösern. Eine durch eine Infektion mit Bakterien verursachte Urethritis wird daher in der Regel mit passenden Antibiotika, die die Bakterien abtöten und ihre Vermehrung bremsen sollen, behandelt. Bei einer durch Pilze verursachten Harnröhrenentzündung kommen sogenannte Antipilzmittel zum Einsatz und eine Urethritis, die auf Viren wie Herpes-simplex Viren zurückzuführen ist, kann mit antiviralen Medikamenten, etwa mit Aciclovir, bekämpft werden.

Da die ursächlichen Erreger meist beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, ist es ratsam, bis zur Ausheilung der Infektion auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Zudem sollte sich der Partner bzw. die Partnerin ebenfalls untersuchen und gegebenenfalls mitbehandeln lassen, um erneute gegenseitige Ansteckungen zu vermeiden.

Arztsuche

Was können Betroffene selbst gegen eine Urethritis tun?

Um den Heilungsprozess bei einer Harnröhrenentzündung zu unterstützen, sollten Betroffene möglichst viel trinken und trotz der Schmerzen beim Wasserlassen häufig auf die Toilette gehen, um auf diese Weise die ursächlichen Erreger auszuspülen. Insbesondere Fruchtsäften wie Johannisbeersaft, Preiselbeersaft und Cranberrysaft wird dabei nachgesagt, dass sie das Anhaften von Keimen an der Harnröhrenschleimhaut verhindern und so den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Darüber hinaus können auch verschiedene Heilpflanzen und Heilkräuter, die als Tee getrunken oder als Fertigarzneimittel aus der Apotheke eingenommen werden, die Beschwerden bei einer Harnröhrenentzündung lindern. Zu den klassischen Heilkräutern, die hier zum Einsatz kommen, gehören beispielsweise

  • Ackerschachtelhalm,
  • Bärentraubenblätter,
  • Birkenblätter,
  • Brennnessel,
  • Goldrute,
  • Hagebutte,
  • Hauhechel
  • und Wacholder.

Vorbeugung einer Harnröhrenentzündung

Wer sich an einige Verhaltensweisen und Regeln hält, kann einer Urethritis oft wirksam vorbeugen. Hierzu gehört vor allem die Benutzung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, um eine Ansteckung mit den häufig für eine Harnröhrenentzündung verantwortlichen, sexuell übertragbaren Erregern zu verhindern. Darüber hinaus ist es ratsam, Unterkühlungen zu vermeiden und sich stets warmzuhalten, die nassen Badesachen nach dem Schwimmen schnell gegen trockene Kleidung auszutauschen und die Genitalregion nicht einer übertriebenen Hygiene auszusetzen.