Vorhautentzündung (Posthitis): Wenn es brennt und juckt



Die Vorhautentzündung (Posthitis) ist eine entzündliche Erkrankung der dehnbaren, gedoppelten Haut im Bereich der Eichel des männlichen Gliedes.

Ursachen für die schmerzhafte Entzündung können sein:

  • Bakterienbefall
  • weitere Mikroorganismen (u.a. Pilzinfektion mit Candida albicans)
  • hautirritierende Substanzen wie toxisch oder allergen wirkende Stoffe (beispielsweise bei einer Kontaktallergie auf Intimschmuck, Kondome oder Waschmittel)

Eine Infektion ist zumeist auf ungeschützten Geschlechtsverkehr oder mangelnde bzw. übertriebene Hygiene zurückzuführen. Auch Erkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder eine Phimose (Vorhautverengung) begünstigen eine Vorhautentzündung. So ist beispielsweise eine Vorhautverengung bei Jungen im Vorschulalter die häufigste Ursache für eine Posthitis. Häufig geht eine Vorhautentzündung mit einer Entzündung der Eichel (Balanitis) einher. Bei Beteiligung der Eichel wird die Entzündung als Balanoposthitis bezeichnet.

Frau schaut mit Lupe in die Unterhose eines Mannes
© Andrey Popov

Symptome einer Vorhautentzündung

Zu den charakteristischen Beschwerden einer Vorhautentzündung gehören:

  • Schwellung, Rötung und Schmerzen im Bereich von Vorhaut und gegebenenfalls Eichel
  • Jucken und Brennen im entzündeten Bereich
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • gelber, eitriger und übelriechender Ausfluss
  • eventuell weißlicher Belag und Bläschenbildung
  • Schmerzen in der Leistengegend bei Schwellung der angrenzenden Lymphknoten im Leistenbereich

Darüber hinaus kann es zu punktförmigen bzw. flächenartigen nässenden Hautveränderungen kommen. In seltenen Fällen treten auch Geschwüre auf. Bei Fortschreiten der Erkrankung können sich ein allgemeines Krankheitsgefühl sowie Fieber als Anzeichen einer Blutvergiftung entwickeln. Dies stellt einen lebensbedrohlichen Zustand dar und bedarf einer umgehenden notfallmedizinischen Behandlung.

Arztsuche

Diagnose einer Vorhautentzündung

Die Diagnose einer Vorhautentzündung erfolgt meistens anhand der charakteristischen Symptome. Zudem wird abgeklärt, ob eine Zuckerkrankheit, Allergie oder mechanische bzw. chemisch-irritierende Reizung der Entzündung zugrunde liegen könnte.

Bei der körperlichen Untersuchung werden neben dem Glied und dem entzündeten Bereich auch die angrenzenden Lymphknoten im Leistenbereich auf möglichen Schwellungen hin untersucht. Zur Absicherung einer möglichen Infektion wird mit einem Wattestäbchen ein Abstrich von der entzündeten Vorhaut genommen und im Labor auf den spezifisch vorliegenden Erreger hin untersucht. Steht der Erreger fest, kann eine gezielte Therapie geplant werden.

In einigen Fällen kann eine Urinanalyse angezeigt sein. Liegt der Verdacht auf eine Kontaktallergie vor, ist zusätzlich ein Allergietest sinnvoll.

Therapie der Vorhautentzündung

Die therapeutischen Maßnahmen richten sich nach der Ursache der Entzündung.

Ist die Entzündung bakteriell bedingt, ist eine Behandlung mit Antibiotika angezeigt, bei Pilzinfektionen kommt ein Antimykotikum (pilzabtötender Wirkstoff) zum Einsatz. Diese müssen in aller Regel nicht oral in Form von Tabletten eingenommen werden. Zumeist genügt eine Salbe, die den Wirkstoff enthält und auf den entzündeten Bereich aufgetragen wird.

Liegt der Entzündung wie im Fall einer Kontaktallergie eine nicht-infektiöse Ursache zugrunde, sind kortisonhaltige Präparate empfehlenswert. Darüber hinaus empfiehlt es sich, das Allergen zukünftig zu meiden (z.B. durch Waschmittelwechsel). Breitet sich die Entzündung weiter aus, kommt eine orale Einnahme von Antibiotika bzw. Antimykotika oder eine Immuntherapie infrage.

Bei sexuell aktiven Betroffenen sollte im Fall einer Infektion der Partner bzw. die Partnerin ebenfalls therapiert werden.

Hausmittel bei Vorhautentzündung

Leichte Irritationen können mithilfe von desinfizierenden Sitzbädern mit antiseptischen Lösungen oder Kamille behandelt werden. Bei einer Kamillenallergie ist statt der Kamille auch Teebaumöl oder Natron möglich. Desinfizierende Bäder wirken auch im Rahmen einer medikamentösen Therapie unterstützend. Auch Spülungen mit Kochsalzlösung sind oftmals hilfreich.

Wundsalben (u.a. mit Dexpanthenol) können zusätzlich die Beschwerden reduzieren.

Da eine Vorhautentzündung auch die Folge einer übertriebenen Genitalhygiene sein kann, ist zwar gründliche Hygiene empfehlenswert, von aggressiven und alkalischen Seifen sowie Desinfektionsmitteln ist hingegen abzuraten. Diese Seifen entziehen der Haut bei zu häufigem Gebrauch die schützenden Fette und machen sie so anfälliger für Erreger. Zudem sollten lediglich fettarme Lotionen zur Pflege verwendet werden.

Beschneidung bei chronischer Entzündung durch Vorhautverengung

Kommt es aufgrund einer Vorhautverengung (Phimose) wiederholt zu Entzündungen der Vorhaut, ist eventuell eine teilweise oder vollständige Entfernung der Vorhaut (Zirkumzision) empfehlenswert. Diese sollte in jedem Fall in einer infektfreien Zeit erfolgen. Auch bei Diabetikern kann eine Beschneidung vorteilhaft sein, da sie häufig von einer Vorhautentzündung mit entsprechender Vernarbung und Verengung betroffen sind.

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Komplikationen und Prognose bei einer Vorhautentzündung

Bei einer konsequenten Anwendung der verschriebenen Medikamente und frühzeitigem Therapiebeginn heilt eine Vorhautentzündung in aller Regel problemlos ab.

Entzündungen im Bereich der Penisspitze können unbehandelt zu einer Narbenphimose führen, einer besonderen Form der Vorhautverengung. Bei dieser verursachen die Entzündungen kleine Wunden, die im späteren Verlauf zu Narben werden, die die Vorhaut verengen. Eine Infektion kann ferner bis in das Harnsystem hochwandern und dort zu zusätzlichen Entzündungsherden führen. In der Folge kann es zu einer Entzündung der Harnblase, Harnröhre, Prostata und/oder Nebenhoden kommen.

Schlimmstenfalls breitet sich die Infektion bis ins Blutsystem aus und verursacht eine lebensbedrohliche Blutvergiftung.