Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion)

Ein Mann leidet an Erektionsstörungen, wenn sein Penis über einen andauernden Zeitraum keine ausreichende Erektion für den Geschlechtsverkehr erreichen kann. Laut Definition der Deutschen Gesellschaft für Urologie liegen Erektionsstörungen, auch „erektile Dysfunktion“ genannt, dann vor, wenn über einen Zeitraum von sechs Monaten oder länger mindestens 70 Prozent der Versuche, Geschlechtsverkehr zu vollziehen, erfolglos sind.

Der Begriff „Impotenz“ ist in Abgrenzung zur Unfruchtbarkeit aufgrund verminderter Spermienanzahl oder -qualität nicht mehr gängig. Außerdem wird das Thema erektile Dysfunktion in sämtlichen Medien angesprochen, weil der Anteil der Bundesbürger im Alter über 50 Jahren stark ansteigt und viele Männer in dieser Altersgruppe von Potenzproblemen betroffen sind.

Junges Paar auf dem Bett
© fotostorm / istockphoto.de

Häufigkeit von Erektionsstörungen

Rund 20 Prozent aller deutschen Männer im Alter zwischen 30 und 80 Jahren leiden an Erektionsstörungen. Die Dunkelziffer ist allerdings vermutlich wesentlich höher: Weil der Begriff „Impotenz“ ausgesprochen negativ besetzt ist, scheuen sich viele Männer, das Problem in ihrer Partnerschaft oder gar beim Arzt anzusprechen.

Die Einführung des potenzsteigernden Medikaments Viagra auf den Markt 1998 stießt jedoch einen offeneren Umgang mit dem Problem in der Gesellschaft an.

Organische Ursachen für eine erektile Dysfunktion

Damit eine Erektion zustande kommen kann, müssen Nerven, Blutgefäße, Hormone und Psyche komplex zusammenarbeiten. Entsprechend vielfältig sind die Ursachen für Erektionsstörungen. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle, vor allem bei Männern im Alter über 50 Jahren, sind die Ursachen für eine erektile Dysfunktion organischer Natur:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Bluthochdruck
  • erhöhte Cholesterinwerte
  • Diabetes
  • Nierenschäden
  • Folgen von Prostataoperationen oder -verletzungen
  • Wirbelsäulenschäden, die auf Abnutzungserscheinungen basieren
  • hormonelle Störungen
  • Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Multiple Sklerose)

Erektionsstörungen sind somit auch immer ein Warnzeichen für eine möglicherweise schwereren Erkrankung, die auf jeden Fall behandelt werden muss. Deshalb sollte eine erektile Dysfunktion immer ernst genommen und von einem Arzt, in der Regel einem Urologen, betreut werden.

Nicht-organische Ursachen für eine erektile Dysfunktion

Neben organischen Ursachen können aber auch Umwelt- sowie psychische Faktoren zu Erektionsstörungen führen – das ist besonders bei Männern bis 35 Jahren häufig der Fall. Risikofaktoren sind:

  • Medikamenten-, Alkoholmissbrauch
  • Rauchen
  • Stress
  • Depressionen
  • Persönlichkeitskonflikte

Fahrradsattel als Ursache für einen Erektile Dysfunktion

Nach neuesten Erkenntnissen gibt es aber noch mindestens einen wesentlich trivialeren Grund für Potenzstörungen: Schlechte Fahrradsättel.

Nach einer Reihe von Studien, die 1998 im amerikanischen Journal of Sexual Medicine zusammenfassend veröffentlicht wurden, sind Forscher weltweit zu der Einsicht gelangt, dass Fahrradsättel erheblich zu Potenzstörungen beitragen. Durch das tropfenförmige Design des Sattels liegt beim Sitzen ungefähr ein Drittel des gesamten Körpergewichtes auf dem Perineum, also dem Bereich zwischen After und den äußeren Geschlechtsteilen.

Deshalb führt langes und häufiges Sitzen auf Fahrradsätteln dazu, dass Blutzufuhr und Erregungsleitung über Arterien und Nervenbahnen zum Penis eingeschränkt wird und nicht genügend Druck aufgebaut werden kann, um eine komplette Erektion zu erzielen.

Die Wahl des richtigen Sattels kann dies verhindern und ausreichend Bewegung tut dem Körper und der Manneskraft immer gut.

Untersuchungen und Diagnose

Von Erektionsstörungen betroffene Männer sollten sich ärztliche Hilfe suchen. Der erste Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Wenn diesem eine spezielle Ausbildung fehlt, wird er seinem Patienten einen Facharzt empfehlen, zum Beispiel einen Urologen.

Der Diagnose des Arztes sollten u. a. folgende auf Kassenleistung abrechenbare Untersuchungen vorausgehen:

  • Krankengeschichte/Anamnese (Krankheiten, Medikamente, Lebensstil, Sexualleben, psychische Probleme)
  • körperliche Untersuchung (Abtasten von Unterbauch, Genitalien und Prostata; Blutdruckmessung)
  • Blut- und Urinuntersuchung (u. a. Blutfette, Cholesterin, Blutzucker, Leber- und Nierenwerte, Hormonstatus)
  • Schwellkörperinjektionstest (SKIT) in Verbindung mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie)

Der Betroffene muss also nicht nur die Scheu vor dem ersten Arztbesuch überwinden, sondern sich auch darauf einstellen, dass der Arzt eine Reihe sehr persönliche Fragen stellen wird, die sich auf Sexualleben, Partnerschaft, den beruflichen Alltag und den Freizeitbereich beziehen. Ziel ist, die Ursache für die erektile Dysfunktion herauszufinden, um eine gezielte Therapie einleiten zu können.

Ein erfahrener Arzt wird darüber hinaus den jeweiligen Lebenspartner in die Beratung und Behandlung miteinbeziehen. Treten bei einem Mann in Tiefschlafphasen unwillkürliche Erektionen auf, kann davon ausgegangen werden, dass keine körperliche Störung vorliegt. Solche Erektionen können mit Hilfe des jeweiligen Partners erfragt oder aber mit Messgeräten nachgewiesen werden (Tumeszenzmessung).

Bei der Untersuchung in der Praxis werden Penis, Hoden und Prostata abgetastet, der Blutdruck gemessen und Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt. Mit einer Bestimmung des Hormonstatus (Testosteron, Schilddrüsenhormon, evtl. PSA) kann der Arzt abklären, ob hormonelle Änderungen die Ursache der Potenzstörung sind. Die Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße des Penis in Ruhe und nach Injektion eines erektionsfördernden Medikaments (Schwellkörperinjektionstest, SKIT) hilft beim Identifizieren weiterer organischer Ursachen. Allerdings kann dieser Test durch Nikotingenuss oder Stress bei der Untersuchung auch falsch negativ ausfallen.

Bei Diabetikern werden elektrische Reize eingesetzt, um festzustellen, ob Nervenschädigungen die Ursache der Störung sind.

Behandlung von Erektionsstörungen

Patienten, die unter erektiler Dysfunktion leiden, können mittlerweile von einem individuell angepassten Behandlungsschema profitieren.

Das Spektrum reicht dabei von Medikamenten über Erektionshilfen (Vakuumpumpe) und Gefäßoperationen bis zur Implantation von Penisprothesen.

Daneben gibt es eine ganze Reihe von Selbsthilfegruppen und auf Sexualstörungen spezialisierte Therapeuten. Eine psychologische Betreuung ist in allen Fällen lohnend, auch wenn die Ursachen möglicherweise rein organischer Natur sind.

Häufig verstärken sich Erektionsprobleme zusätzlich dadurch, dass das Thema verschwiegen wird. Wer versucht, das Problem unter den Teppich zu kehren, verstärkt den Druck auf sich und auch auf die Partnerschaft. Offen mit dem Partner über das Problem zu sprechen und ihn in die Behandlung mit einzubeziehen, schafft die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie der Störung.

Medikamentöse Behandlung von Erektionsstörungen

Die Behandlung der erektilen Dysfunktion kann nur dann gelingen, wenn deren eigentliche Ursache bekannt ist.

Hilfe aus dem Sex-Shop oder illegale Medikamente aus dem Internet – eigentlich verschreibungspflichtige Wirkstoffe, die ohne Rezept im Handel sind – sind keine Lösung. Bei Nebenwirkungen besteht kein Haftungsanspruch gegenüber dem Hersteller. Außerdem könnten die Tabletten gefälscht oder unsachgemäß behandelt und gelagert worden sein.

Die beste Adresse für Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion ist die Apotheke. Die medikamentöse Therapie muss vom Arzt begleitet und kontrolliert werden, auch wenn die Krankenkassen das Medikament eventuell nicht bezahlen.

Orale Präparate

Innovative Medikamente zur Behebung von Potenzstörungen können in der Regel eine halbe bis zwölf Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die Wirkung kann dann bis zu 24 Stunden anhalten und Männer bereits nach 30 Minuten befähigen, eine Erektion zu bekommen. Innerhalb dieser Zeitspanne ist es damit möglich, Geschlechtsverkehr wieder spontan zu erleben. Außerdem wird die Wirkung nicht durch Nahrungs- und Alkoholaufnahme beeinträchtigt.

In Deutschland sind derzeit drei verschiedene Medikamente auf dem Markt, die alle nach dem gleichen biochemischen Prinzip funktionieren: Sie erweitern die Blutgefäße und steigern die Blutzirkulation in den Genitalien. Medikamente zur Therapie psychisch bedingter Erektionsstörungen werden in der Regel nicht bei Bedarf, sondern regelmäßig und über einen längeren Zeitraum eingenommen. Eine Erektion erfolgt dann nur bei sexueller Stimulierung.

Anwendungen direkt am Penis

Anders als die oral einzunehmenden Medikamente wirken die lokalen Arzneimittel direkt am Penis. Für viele Männer ist diese Art der Behandlung mit großen psychischen Widerständen verbunden. Bei der Schwellkörperautoinjektionstherapie (SKAT) wird ein Wirkstoff direkt in die Schwellkörper gespritzt. Weil dabei eine extrem dünne Nadel zum Einsatz kommt, ist die Injektion kaum spürbar. Die Erektion tritt nach ungefähr zehn Minuten ein.

Bei einem anderen System, der MUSE® („medicated urethral system for erection“), wird der Wirkstoff als Minitablette über einen Applikator in die Harnröhre eingeführt. Die Erfolgsrate ist jedoch geringer als bei der SKAT-Anwendung, und es dauert länger, bis die Wirkung eintritt.

Hängt die Potenzstörung mit einem Hormonmangel zusammen, kann das entsprechende Hormon (in der Regel Testosteron) eingenommen, gespritzt, als Pflaster auf die Haut geklebt oder als Gel auf die Haut aufgetragen werden.

Mechanische Hilfsmittel bei einer erektilen Dysfunktion

Auch mit Hilfe einer Vakuumpumpe lässt sich eine Erektion erzielen. Dazu wird ein Plastikzylinder auf den Penis gesetzt. In diesem Zylinder wird anschließend mit einer kleinen Hand- oder Elektropumpe ein Unterdruck erzeugt. Dadurch fließt Blut in die Schwellkörper und lässt den Penis steif werden. Sobald eine ausreichende Erektion vorhanden ist, wird mit einem bis zur Peniswurzel übergestreiften Ring verhindert, dass das Blut aus den Schwellkörpern zurückfließt.

Solche Penisringe können immer dann eingesetzt werden, wenn auf natürlichem Weg noch eine ausreichende anfängliche Erektion möglich ist. Allerdings muss ein anatomisch individuell angepasstes Exemplar benutzt werden. Penisringe dürfen nicht länger als 30 Minuten die Blutzufuhr abklemmen, weil sonst die gesamte Blutversorgung darunter leidet.

Chirurgische Eingriffe und Implantate

Wenn die Schwellkörper nicht ausreichend mit Blut versorgt werden können oder das Blut zu schnell abfließt, kann eine Gefäßoperation durchgeführt werden. Allerdings sind die Erfolgsraten nicht sehr hoch, sodass dieser Eingriff nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt wird.

Auch das Einsetzen eines Schwellkörperimplantats ist problematisch. Bei dieser Operation werden große Teile des natürlichen Schwellkörpers zerstört und können nicht wiederhergestellt werden. Daher steht diese Behandlung nur bei Versagen aller anderen Therapieoptionen zur Diskussion.

Hydraulisches Schwellkörperimplantat (Penisprothese)
Hydraulisches Schwellkörperimplantat. Quelle: AMS Deutschland

Prävention von Erektionsstörungen

Damit Potenzstörungen nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen, sollten Sie Risikofaktoren wie Alkohol, Rauchen, Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Diabetes rechtzeitig erkennen und meiden oder behandeln.

Deshalb ist es sinnvoll, die entsprechenden Vorsorgetermine wahrzunehmen und selbst auf gesunde Ernährung und sportlichen Ausgleich zu achten. Gleiches gilt für Stressfallen in allen Lebensbereichen: Gerade jüngere Männer zählen zu denjenigen Betroffenen, bei denen stressbedingte und psychische Ursachen im Vordergrund stehen. Zwar gibt es keine gezielte Vorbeugungsmaßnahme gegen Potenzstörungen, aber eine gesunde Lebensführung verringert das Risiko.

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