Verminderte Fruchtbarkeit beim Mann durch Arteriosklerose?

Arterienverkalkung (Arteriosklerose) kann einer der Gründe für Erektionsstörungen sein – das ist schon seit Längerem bekannt. Nun erreicht die Männerwelt eine neue Hiobsbotschaft aus der Forschung. Offenbar können sklerotische Gefäßveränderungen im Hoden die Fruchtbarkeit erheblich herabsetzen. Das zumindest fanden Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität in Gießen bei einem Tierversuch mit Mäusen heraus. Wir haben uns angesehen, was hinter dieser Nachricht steckt.

Nicht umsonst denken die meisten Menschen bei Arteriosklerose zunächst an einen Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. So mag sich mancher fragen: Wie kann Arterienverkalkung zu Erektionsstörungen oder gar eingeschränkter Fertilität führen?

Verkalkte Arterien wirken sich auf den gesamten Organismus aus

Arterien durchziehen unseren ganzen Körper – vom kleinsten Kapillargefäß bis hin zur mächtigen Bauchaorta. Und überall hinterlässt eine Arterienverkalkung ihre Spuren.

Bei Arteriosklerose bilden sich im Laufe der Jahre hartnäckige Ablagerungen an den Wänden der Blutgefäße. Dadurch verengen sich die Arterien – der Blutdurchfluss ist erschwert. Dies wirkt sich zunächst am deutlichsten in kleinen Gefäßen mit geringem Durchmesser aus, wie sie etwa im Penis vorhanden sind.

Werden diese feinen Arterien unzureichend durchblutet, kann es zu Erektionsstörungen kommen. Erst im fortgeschrittenen Stadium verstopfen die Ablagerungen auch größere Gefäße am Herzen – meist mit fatalen Folgen. Aus diesem Grund gelten durchblutungsbedingte Erektionsstörungen als erstes Warnzeichen einer drohenden Herzerkrankung. Schon deshalb lohnt es sich, eine Erektionsstörung vom Arzt abklären zu lassen.

Spermium befruchtet Eizele
© Kateryna_Kon – stock.adobe.com

Neue Erkenntnisse zur Fertilität des Mannes

Jetzt haben Forscher erstmals die Auswirkungen verkalkter Gefäße auf die männlichen Keimdrüsen genauer unter die Lupe genommen – und sind auf Unerwartetes gestoßen. Sie stellten bei Versuchsmäusen mit Arteriosklerose deutliche Veränderungen der Hoden fest – hier geht es zu den englischsprachigen Ergebnissen der Studie. Unter dem Mikroskop fiel auf, dass das Kapillarnetz des von feinsten Arterien durchzogenen Hodens deutlich ausgedünnt war und die verbliebenen Gefäße weniger Volumen hatten. Auch schien der Hoden insgesamt etwas kleiner.

Außerdem konstatierten die Forscher einen signifikanten Rückgang der sogenannten Leydigzellen, die 10 – 20 % des Hodenvolumens ausmachen. Die zwischen Samenkanälchen und den Kapillaren angesiedelten Zellen sind maßgeblich für die Testosteronsynthese verantwortlich und stimulieren die Spermienproduktion. Dementsprechend niedrig war auch der Testosteronspiegel der betreffenden Mäuse.

Die Zellbiologen kamen zu dem Schluss, dass diese Veränderungen sich unmittelbar auf die Fertilität auswirken. Die Testosteronwerte der verwendeten genveränderten Versuchsmäuse (Knock-out-Mäuse) lagen signifikant unter der von normalen Mäusen. Je weniger Testosteron produziert wird, desto weniger Spermien reifen heran – die Fertilität sinkt.

Bereits 2010 gab es erste Hinweise darauf, dass Gefäßveränderungen im Hoden die Fruchtbarkeit beeinflussen könnten. Allerdings war dies damals nur bei älteren Mäusen nachzuweisen. In der aktuellen Versuchsreihe stellten Wissenschaftler das Phänomen bei Mäusen aller Altersgruppen zwischen 20 und 87 Wochen fest.

Erste Beobachtungsstudie am Menschen

Auch eine jüngst in der Zeitschrift „The Aging Male“ veröffentlichte Beobachtungsstudie beim Menschen legt einen Zusammenhang zwischen Arteriosklerose und verminderter Fruchtbarkeit beim Mann nahe. Gegenstand der Untersuchung waren 119 Männer mittleren Alters. In der Studie wurden auch andere Faktoren, die zu einem verringerten Testosteronspiegel beitragen können, berücksichtigt. Denn Alter, Body-Mass-Index, Rauchen, Alkohol und genetische Veranlagung spielen bei der Fertilität ebenfalls eine Rolle. Auch unter Berücksichtigung all dieser anderen Faktoren ergab sich das gleiche Bild. Arteriosklerotische Gefäßveränderungen scheinen die Fruchtbarkeit negativ zu beeinflussen.

Arteriosklerose ist kein Schicksal

Was machen wir nun mit diesen Ergebnissen? Seit Langem wissen wir, wie fatal sich Arteriosklerose auswirken kann – und wie man ihr vorbeugt. Die neuen Erkenntnisse sind nur ein weiterer Grund, sich für eine gesunde Lebensweise zu entscheiden. Denn wer sich regelmäßig bewegt und gesund ernährt, tut viel, um sich vor Arteriosklerose zu schützen. Zwar können wir nicht alle Faktoren, die zu einer Arteriosklerose beitragen, beeinflussen. Doch wo wir es können, sollten wir es tun. Denn Arterienverkalkung ist ein bedeutender Risikofaktor für die Todesursache Nummer eins in Deutschland: Herz-Kreislauf-Erkrankungen.


von Die Redaktion. 25.02.2019


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